Was erlebten unsere Vorfahren im Sommer 1939? Ich habe meine Freundinnen und Freunde befragt und einige Antworten erhalten.
Vor allem aber bin ich gespannt auf weitere Geschichten. Schicken Sie sie gerne an info@benediktmeyer.ch
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«Von 1939 weiss ich nichts, aber habe ich dir schon mal erzählt, dass sich meine Grosseltern auf dem Fahrrad kennengelernt haben? Das muss vor oder während dem Krieg gewesen sein. Sie schob ihres einen Hügel hinauf, er sah sie und in dem Moment verliessen ihn augenblicklich die Kräfte. Er stieg ebenfalls vom Rad und sprach sie an. Sie müssen es ganz lustig gehabt haben, die zwei, denn sie setzten ihre Tour anschliessend gemeinsam fort - ja und da sind wir jetzt».
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«Meine Grosseltern waren vor dem Krieg mehrmals in Deutschland in den Ferien. Es gibt Reiseberichte und was mir bei denen auffällt: Wenn sie irgendwo waren, wo rein theoretisch Hitler hätte auftauchen können – in Berlin etwa oder in Berchtesgaden – dann haben sie immer Ausschau gehalten, ob sie ihn irgendwo sehen. Geschrieben hat die Texte mein Grossvater und der schreibt in durchaus belustigtem Ton, dass seine Frau extra zu Hitlers Hof hochgestiegen ist, in der Hoffnung ihn zu sehen.
Ich frage mich heute noch, wie sehr es ihnen einfach darum ging, eine Berühmtheit zu sehen oder ob sie auch Hitlers Ansichten teilten.»
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«Meine Grossmutter war ein Schweizer Bauernmädchen, das nach München ging, um Schneiderin zu werden. Dort lernte sie meinen Grossvater kennen. Der hatte noch in der Leibgarde Kaiser Wilhelms gedient und trauerte sein Leben lang Pomp und Grösse des Kaiserhofs nach. Das hat ihn wohl auch an den Nazis so fasziniert, dieses Bombastische. Er ist dann auch der NSDAP beigetreten.
Zuerst wohnten die beiden in Deutschland, später zogen sie wegen des Heimwehs meiner Grossmutter in die Schweiz. Wie es ihnen hier im Sommer 1939 erging, das kann ich höchstens erahnen. Die beiden haben den Krieg überstanden, danach aber wurden sie ausgewiesen – ich glaube, weil er in der Partei war. Ja: Auch meine Grossmutter wurde ausgewiesen. Als Frau verlor man ja damals bei der Heirat das Schweizer Bürgerrecht. Bleiben durfte nur ihre Tochter, meine Mutter.
Sie war politisch links und gerade deshalb erschrak ich immer, wenn sie plötzlich sagte, jemand habe eine «jüdische Nase» oder solches Zeug. Ich bin mir sicher, dass sie sich nichts Böses dabei dachte, dass sie einfach damit aufgewachsen war. Wenn sie sich etwas gedacht hätte, hätte sie es nicht gesagt.»
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«Du willst etwas über die Wochen vor dem Krieg wissen? Da sind meine Eltern singend und tanzend durch die Strassen gezogen und haben sich für den Frieden engagiert. Sie waren wundervolle, pazifistische Träumer!»
«Moment, von welchem Krieg reden wir?»
«Vom Jugoslawienkrieg natürlich, 1991!» -
Meine Mutter (*1912) heiratete im Sommer 1939 meinen italienischen Vater und zog zu ihm nach Mailand. Warum sie, eine Frau mit Uniabschluss ins faschistische Italien zog, hat sie uns Kindern nie erklärt. Meinen Vater hatte sie 1935 während eines Studienaufenthalts in Rom kennengelernt. Anfang 1943 ist sie dann mit zwei kleinen Söhnen und mir im Bauch zurück in die Schweiz geflüchtet. Ihr Hausrat ging bei Bombardements verloren. Sie zog in die kleine Wohnung ihrer Eltern zurück; mein Vater durfte erst 1948 nachkommen.
Er erzählte uns Kindern, er sei bei den königstreuen Partisanen engagiert gewesen, in seinem Nachlass fanden wir aber Papiere, die ihn bis 1945 als Angestellten eine deutschen Firma in Norditalien auswiesen, die Zulieferin war für Rüstungsgüter. Fazit: Wir wissen wenig bis nichts über unsere Eltern. Sie haben kaum mit uns über die Kriegsjahre gesprochen.
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Den Krieg habe ich als Kind miterlebt, aber mit Jahrgang 1938 kann ich nicht viel zum Sommer 39 sagen. Was ich noch weiss ist, dass wir in einer besonders schönen Ecke der Stube zwei Fotos/Bilder hatten, von Bruder Klaus und General Guisan.
Woran ich mich ebenfalls erinnere ist, dass die Autos im Krieg auf Holzvergaser umgerüstet wurden. Einmal durfte ich einen Ausflug mitmachen, der mir aber gar kurz vorkam. Darum blieb ich nach der Fahrt einfach sitzen. Niemand bemerkte das. Als ich dann schliesslich doch ausstieg, muss ich furchtbar geschankt haben. Man konnte mich grad noch auffangen und an die frische Luft führen. Das Holz mottete in der Garage weiter und ich muss mir eine orgentliche Kohlenmonoxydvergiftung eingefangen haben. Ich glaube, mein Leben hing damals an einem Faden. Fast wäre ich auch noch ein Kriegsopfer geworden.
Er erzählte uns Kindern, er sei bei den königstreuen Partisanen engagiert gewesen, in seinem Nachlass fanden wir aber Papiere, die ihn bis 1945 als Angestellten eine deutschen Firma in Norditalien auswiesen, die Zulieferin war für Rüstungsgüter. Fazit: Wir wissen wenig bis nichts über unsere Eltern. Sie haben kaum mit uns über die Kriegsjahre gesprochen.
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Vom Sommer 1939 weiss ich leider nichts, aber meinem Mutter (*1922) erzählte mir, dass mein Grossvater (*1890) nach dem Überfall auf Polen nach Hause kam und sagte: "Bis jetzt musste jeweils höchstens eine Generation zum Aktivdienst
einrücken. Die Welt ist verrückt geworden und ich mache es jetzt zum
zweiten Mal." -
Im Juni 39 hat mein Vater Wladislaw, geboren am 1920 in Polen, seine Matura am Gymnasium in Sosnowiec erhalten. Zwischen Juli und August hat er einen Arbeitsdienst in der 2. Batterie der Arbeit J.H.P. in Gory, Bezirk Uniejow, Polen geleistet.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen hat ein polnischer Hauptmann mit einigen Soldaten eine freiwillige Kompanie organisiert, zu der mein Vater eingezogen wurde. Bald einmal waren sie von dt. Truppen umkreist, haben ihre Waffen vernichtet oder im Boden eingegraben und sind als Zivilisten nach Hause zurückgekehrt.